In unserem Karate-Training legen wir großen Wert auf die feste Integration von Koordinationstraining. Das Koordinationstraining besteht aus Koordinationsübungen und Koordinationsspielen. Wir sind überzeugt, dass das Zusammenspiel von Beweglichkeit, Balance und Körpergefühl nicht nur die Ausführung klassischer Techniken verbessert, sondern auch den Geist schärft und das Selbstvertrauen stärkt.
Was sind koordinative Fähigkeiten?

Koordination bezeichnet die Fähigkeit, Bewegungen präzise zu steuern und aufeinander abzustimmen, damit die Körperteile harmonisch zusammenarbeiten. Das Koordinationstraining, das aus Koordinationsübungen und Koordinationsspielen besteht, ist eine effektive Methode, um die Koordination zu verbessern. Das Koordinationstraining dient dabei der Aktivierung der koordinativen Fähigkeiten. Koordinative Fähigkeiten sind noch keine Leistungen oder Fertigkeiten, sondern lediglich Potenziale. Sie beziehen sich im Wesentlichen auf die grundlegenden Mechanismen des menschlichen Bewegungssystems. Die koordinativen Fähigkeiten stehen für die Fähigkeit, Bewegungen zielgerichtet, effizient und situationsangemessen auszuführen sowie schnell und präzise auf Veränderungen zu reagieren (vgl. Dr. Julian Bergmann, in: Koordinative Fähigkeiten: Definition und Bedeutung).
Koordinative Fähigkeiten in Abgrenzung zu konditionellen Fähigkeiten

Koordinative Fähigkeiten sind von konditionellen Fähigkeiten abzugrenzen. Mit konditionellen Fähigkeiten sind die physischen Voraussetzungen gemeint, die für sportliche Leistungen entscheidend sind. Dazu zählen Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Sie werden im Volksmund als Muskelpower bezeichnet. Bei den koordinativen Fähigkeiten dreht sich hingegen alles um die Qualität der Bewegung. Hierfür bildet die sensorische Informationsverarbeitung – also unsere Augen, unser Gleichgewichtsorgan, unsere Muskelsensoren und unser Tastsinn – die Grundlage.
Koordinative Fähigkeiten sollten jedoch nicht ohne die konditionellen Fähigkeiten betrachtet werden. Vielmehr ist es so, dass die koordinativen Fähigkeiten nicht nur auf die konditionellen Fähigkeiten wirken, sondern beide sich gegenseitig beeinflussen.
Arten der koordinativen Fähigkeiten
Es gibt je nach Literaturansicht fünf oder sieben Arten der koordinativen Fähigkeiten:
- Reaktionsfähigkeit
- Orientierungsfähigkeit
- (Kinetische) Differenzierungsfähigkeit
- Kopplungsfähigkeit
- Gleichgewichtsfähigkeit
- Rhythmisierungsfähigkeit
- Umstellungsfähigkeit
Bedeutung für Alltag, Beruf, Schule und Gesundheit
Koordinative Fähigkeiten sind nicht nur im Sport von Bedeutung, wo sie zu besseren Leistungen führen können. Sie sind auch bedeutend für alle Handlungen im Alltag, Beruf und Schule, wo sie zu einer effizienteren und sichereren Ausführung täglicher Aufgaben beitragen. Koordinative Fähigkeiten erweitern hierfür das motorische Repertoire und erleichtern späteres Erlernen von bestimmten Fertigkeiten. Das Koordinationstraining erhöht darüber hinaus die physische Belastbarkeit und trägt positiv zur Gesundheit bei. Es verlangsamt den altersbedingten Abbau und fördert die körperliche Aktivität, was wiederum die kardiometabolischen Risiken senkt. Verallgemeinert bedeutet dies, dass sich durch ein gezieltes Koordinationstraining die Lebensqualität verbessern lässt.
Entwicklung der koordinativen Fähigkeiten
Die Entwicklung der koordinativen Fähigkeiten ist ein lebenslanger Prozess. Sie sind nicht angeboren, sondern müssen durch Training erlernt und verfeinert werden. Die Lernfähigkeit hierfür ist zwischen dem 7. und 12. Lebensjahr, das auch „Goldendes Lernalter“ genannt wird, am höchsten. Dies liegt an der Reifung des Zentralnervensystems. In dieser Lebensphase sind Kinder in ihrer Entwicklung für neue Reize und Bewegungsabläufe besonders empfänglich. Aber auch Erwachsene und sehr alte Menschen können koordinative Fähigkeiten weiterhin entwickeln und verbessern – und zwar deutlich stärker als manchen bewusst ist! Das Nervensystem bleibt bis ins hohe Alter anpassungsfähig, weshalb das Gehirn neue Bewegungsmuster lernen, Synapsen verstärken und Abläufe effizienter machen kann (sog. Neuroplastizität).

Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Koordinationstraining weit mehr ist als eine bloße Ergänzung zum eigentlichen Karate-Training. Es bildet eine wichtige Grundlage, auf dem sportliche (Höchst-) Leistungen und alltägliche Sicherheit aufbauen. Das Trainieren der koordinativen Fähigkeiten stärkt und verbessert nicht nur die Ausführung der klassischen Karatetechniken, sondern schärft den Geist und das Selbstvertrauen. Deshalb liegt uns viel daran, diese Fähigkeiten bei jungen und älteren Karateka gezielt zu trainieren und fördern.
